Das am Abend des 8. September beginnende und bis zum Abend des 10. September dauernde Fest Rosch ha-Schana ist im Judentum Jahresbeginn und Grundlage für die Berechnung von Kalenderjahren. Im jüdischen Mondkalender fällt es auf den 1. Tischri. Damit wechselt der Termin in unserem greorianischen Kalender, der sich nach der Sonne richtet.
Laut Talmud ist Rosch ha-Schana Beginn und in der Folge Jahrestag der Weltschöpfung, steht aber auch für den Jahrestag der Geburt Adams. Es ist der Tag der Forderung an die Menschen, Bilanz zu ziehen über das eigene moralische und religiöse Verhalten im abgelaufenen Jahr. Mit dem Neujahrsfest beginnen die Zehn Ehrfurchtsvollen Tage (hebräisch Jamim Noraim), die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden. Daher ist Rosch Haschana auch "Jom Hadin", Tag des Gerichts: Am Neujahrsfest werden vor Gott drei Bücher geöffnet: Ins erste werden die ganz Gerechten eingetragen, die sofort das Siegel des Lebens erhalten. Ins zweite Buch werden die ganz Bösen eingetragen, die das Siegel des Todes erhalten. Und das dritte Buch ist für die Mittelmäßigen bestimmt, die sowohl Sünden wie Verdienste vorweisen können. Das endgültige Urteil bleibt in der Zeit vom Neujahrstag bis zum Versöhnungstag offen. Durch Einkehr und Umkehr ist es möglich, das Siegel des Lebens zu erhalten. Zum Morgengottesdienst wird der Schofar, eine aus Widder- oder Kuduhorn gefertigte Hallposaune, nach in Tora und Talmud festgelegten Mitzwot geblasen. Der Schall soll unter anderem aus einer gedankenlosen Lebensweise aufrütteln.
Zu den gebräuchlichen Speisen gehören Honigkuchen (Chonek Lejkech), Weintrauben und süßer Wein. Alles Süße, wie auch in Honig getauchte Apfel- oder Challascheiben, soll die Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr sinnlich ausdrücken. Zuweilen wird der Beginn des neuen Jahres aber auch symbolisiert durch Auftischen eines Stücks von einem Fisch- oder Schafskopf mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass wir zum Kopf und nicht zum Schwanz werden". Ein weiterer Brauch ist das Essen von Granatäpfeln, die viele Kerne enthalten. Dazu sagt man: "Möge es dein Wille sein, dass unsere Rechte sich wie der Granatapfel mehren". In Jiddisch sprechenden Gemeinden wurden Möhren „Mehren“ mit den Worten "Möge es dein Wille sein, dass sich unsere Rechte mehren" gegessen.
Der Segensspruch nach dem Gottesdienst lautet: "Leschana towa tikatewu" ("Ihr möget zu einem guten Jahr eingeschrieben werden"). Vor Rosch Ha Schana besucht man die Gräber von verstorbenen Angehörigen und von Gerechten, um sich durch die Erinnerung an deren Leben für das kommende Jahr inspirieren zu lassen.
Ein gesundes und glückliches Jahr 5771 wünscht allen Mitgliedern und Freunden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin für den Vorstand
Lala Süsskind
Der Beauftragte für die Bekämpfung des Antisemitismus, Levi Salomon, und sein Team leisten Gemeindemitgliedern bei antisemitischen Vorfällen unter der kostenlosen 24h-HOTLINE: 0800-8802800 unverzüglich Hilfe.

Ausgabe September 2010:
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