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Holocaustforscher Gideon Greif zu Gast in der Gemeinde

01.Mai 2016 | Beiträge – jüdisches berlin | Gemeinde

»Wenn das Herz weint, dann hört dies nur G‘tt. Der Schmerz steigt aus der Seele auf. Der Mensch fällt, bevor er untergeht«, hört man klare Kinderstimmen auf Hebräisch singen. Die Lieder »Schma Israel« und »Paamonim schel schalom« eröffnen den feierlichen Abend im Gemeindehaus in der Fasanenstraße.

Zahlreiche Gemeindemitglieder wollen dem Vortrag des bekannten israelischen Holocaustforschers Professor Gideon Greif lauschen. Gastgeberin ist heute Assia Gorban, Präsidiumsmitglied der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ihr Dank gilt an diesem Abend auch Jobst und Charlotte Bittner, den Gründern der evangelischen Initiative »Marsch des Lebens«. Die Initiative veranstaltet gemeinsam mit den Nachkommen der Tätergeneration Gedenk- und Versöhnungsmärsche an Orten der Schoa in ganz Europa. 2011 wurde der »Marsch des Lebens« von der israelischen Knesset für sein besonderes Engagement für Schoa-Uberlebende ausgezeichnet. Die Mission der Initiative ist keine einfache: die Tragödie der jüdischen Nation darf nicht in Vergessenheit geraten. Sie darf aber auch nicht zur Kluft zwischen kommenden Generationen werden.

Professor Greif, der gerade auf der Leipziger Buchmesse sein Buch »Aufstand in Auschwitz. Die Revolte des jüdischen ›Sonderkommandos‹ am 7. Oktober 1944« vorgestellt hat, spricht über das Phänomen der »Endlösung der Judenfrage«. Während der anschließenden Diskussion stellt der Wissenschaftliche Referent der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungen, Dr. Kai Funkschmidt, die hochaktuelle Frage nach der Gefährlichkeit der rechtspopulistischen Parteien für Juden. Laut Professor Greif werden sich diese – trotz ihrer offensichtlichen antiislamischen Gesinnung – eines Tages auch gegenüber Juden offen feindlich stellen.

Auf die Frage, wie es dazu kam, dass Juden nach den Schrecken des Holocausts ihr Vertrauen in Deutschland nicht verloren haben, gibt Professor Greif eine einfache Antwort: Kultur – schon immer liebten deutsche Juden die Kultur und Sprache Deutschlands, das half ihnen später, wieder Vertrauen in das Land aufzubauen.

Kulturaustausch ist der Weg zur Versöhnung. Dies ist auch die Philosophie von Marina Paschanova, Leiterin des Chors »Sonett« in der jüdischen Gemeinde. Ihre Schüler gehören verschiedenen Religionen und Nationalitäten an. Nun stehen sie alle gemeinsam auf der Bühne im Gemeindehaus.

Holocaustforscher Gideon Greif zu Gast in der Gemeinde