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In Siegeruniform

01.Mai 2007 | Beiträge – jüdisches berlin | Gedenken

Mehr als 1600 000 Juden waren als bewaffnete Soldaten am Sieg gegen den Faschismus beteiligt. Von Moses März

Maurice Rose ist der erste Alliierten- General gewesen, der am 12. Dezember 1944 deutschen Boden betrat. Seiner 3. Panzerdivision, die in Afrika, Italien, Frankreich und schließlich in Deutschland kämpfte, eilte ein le­gen­därer Ruf voraus, als Rose im März ’45 bei der Eroberung Paderborns von einem Scharfschützen erschossen wurde.
Er war nur einer von 550 000 jüdischen US-Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland kämpften und maßgeblichen Anteil am Sieg der Alliierten hatten.
Der Beitrag, der von jüdischen Soldaten wie ihm im Kampf gegen Deutschland und die Achsenmächte geleistet wurde, ist ein größtenteils unbekanntes Kapitel in der Ge­schichtsschreibung, da sich Berichte über den jüdischen Widerstand meistens auf Partisanen und Ghetto-Aufstände konzentrieren. Die immer wieder zu hörende Meinung, dass „die Juden sich nicht gegen die Nazis gewehrt hätten“ wird dadurch fälschlicherweise unterstützt.
Zu den mehr als einer Millionen jüdischen Soldaten, die in den Uniformen Amerikas und der UDSSR gekämpft haben, kommen noch ca. 600 000 Soldaten, die für Länder wie Kanada, Südafrika, Frankreich, Griechenland, Jugoslawien, England und Australien in den Krieg zogen. Da viele Armeen keine nach Konfessionszugehörigkeit geordneten Statistiken führten und man sich deshalb oftmals an den Aufzeichnungen von jüdischen Militärgeistlichen orientieren muss, sind die Schätzungen über die Anzahl jüdischer Soldaten in den Alliierten Armeen nur schwer zu deuten.
Trotzdem lohnt ein Blick auf die vorhandenen Daten: Der Roten Armee gehörten eine halbe Millionen jüdische Soldaten an. Von ihnen erhielten über 160 000 Tapferkeitsauszeichnungen und 150 den höchsten Orden „Held der Sowjetunion“. Die litauische Division der Roten Armee bestand sogar zu mehr als 80% aus Juden, was dazu führte, dass unter ihnen meist Jiddisch gesprochen und alle jüdischen Feiertage gefeiert wurden.
Als die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 Polen überfiel, lebten dort 3 350 000 Juden und über 150 000 von ihnen nahmen als Soldaten oder Offizieren am Septemberkrieg teil.
Dem britischen Empire dienten 62 000 englische Juden, für Südafrika kämpften 10 000 in Somalia, Äthiopien, in der libyschen Wüste und in Italien. Unter der Trikolore der französischen Armee standen 46 000 jüdische Soldaten – eine sehr hohe Zahl, bedenkt man, dass zu dem damaligen Zeitpunkt nur ca. 150 000 Juden in Frankreich lebten.
Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des bewaffneten jüdischen Widerstands schrieben die Soldaten in Palästina, die unter britischer Führung kämpften. Rund 30 000 jüdische Palästinenser meldeten sich freiwillig zum Dienst, als sich deutsche Truppen El Alamein in Ägypten näherten und die Briten ihre Vorbehalte gegenüber größeren jüdischen Truppenverbänden fallen ließen. Ihnen war plötzlich sowohl an Frontverstärkung als auch an der Territorialverteidigung Palästinas gelegen.
Nach dem Bekanntwerden der Massenmorde an den Juden Europas, beschloss das britische Verteidigungsministerium 1944 ebenfalls die Aufstellung einer „Jewish Brigade“, die eine Stärke von 5000 Soldaten hatte und den Davidstern als Emblem am Ärmel trug. Die blau-weiße Flagge mit dem Davidstern wurde bei jedem Morgenappell gehisst, Kommandosprache in der Brigade war Hebräisch. Im Mai 1945 kam die Brigade nach langen Kämpfen in Norditalien an, wo sie zum ersten Mal mit Überlebenden der Schoa in Kontakt kam.
Die Begegnung zwischen den Soldaten mit dem Davidstern am Ärmel und den befreiten KZ-Häftlingen, war eines der bewegendsten Ereignisse der jüdischen Geschichte.
Auch an Soldaten wie sie sollte im Zusammenhang mit dem Tag der „Befreiung vom Nationalsozialismus und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs“ am 8. und 9. Mai ge­dacht werden.

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