Friedhof Weissensee

Am 9. September 1880 wurde der 42 Hektar umfassende Friedhof der Jüdischen Gemeinde mit repräsentativen Gebäuden und architektonisch bemerkenswerter Trauerhalle eingeweiht. Mit über 115 000 Grabstellen ist es der größte jüdische Friedhof Europas und ein herausragendes kulturhistorisches Denkmal. Das vollständig erhaltene Totenregister ist ein einzigartiges Dokument der Zeitgeschichte. Martin Riesenburger, später Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Ost- Berlin, der auf dem Friedhofsgelände mit seiner Frau die Shoa überlebte, hielt hier noch 1943 und 1944 gelegentlich Gottesdienste ab und bestattete die in Berlin verstorbenen Menschen jüdischer Herkunft. Ihm war es gelungen, eine große Zahl von Thorarollen und silbernem Synagogenschmuck zu retten und auf dem Friedhof zu verbergen. Bereits am 11. Mai 1945 führte er hier seinen ersten Gottesdienst nach der Befreiung durch. Auch andere jüdische Verfolgte nutzten das unübersichtliche Friedhofsgelände und versteckten sich beispielsweise in der Gruft des Kammersängers Schwarz.

Aus einem Bericht von Christoph Hein über die Familiengruft wissen wir von makabren Quälereien durch Gestapoleute, als diese das Versteck entdeckten. Auf dem Friedhof ist auch ein Ehrenfeld mit einem von Alexander Beer gestalteten monumentalen Gedenkaltar sowie den sterblichen Überresten der 12 000 jüdischen Deutschen, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, an dem insgesamt 100 000 jüdische Soldaten teilnahmen – prozentual stark überrepräsentiert, viele von ihnen freiwillig. Das 1927 eingeweihte Denkmal wurde vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten initiiert. Auch die Grabsteine des 1961 aufgelassenen Köpenicker Judenfriedhofs wurden hierher überführt. Auf dem Gelände befindet sich überdies das Grabmal für Herbert Baum, der wie kein zweiter den jüdischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten verkörpert: vom Verfassen politischer Schriften gegen den Krieg über den Kampf gegen die Akkordnormen für jüdische Zwangsarbeiter bei Siemens bis zum Brandanschlag auf die Propagandaausstellung »Das Sowjetparadies« am 18. Mai 1942. Er wurde ebenso wie die meisten Mitglieder seiner Widerstandsgruppe verhaftet, verurteilt und hingerichtet. Im Eingangsbereich schließlich steht eine Gedenkanlage für die Opfer der Shoa. Sie erinnert an die Ermordeten in den Vernichtungslagern, die kein Grab fanden, weil ihre Asche verstreut wurde. Schon im September 1945 war hier eine erste Gedenktafel errichtet worden. Am 27. Januar 1992, dem 47. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wurde in Gegenwart von Überlebenden des Konzentrationslagers, unter ihnen Heinz Galinski, 43 Jahre lang Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, und Oberkantor Estrongo Nachama, seit 1947 Vorbeter der Gemeinde, im Gedenken an die Ermordeten eine Urne mit Asche aus Auschwitz aufgestellt. Hier beigesetzt sind auch etwa 300 Urnen, die die Verwandten der Ermordeten aus den Vernichtungslagern erhielten – per Nachnahme. Der am 16. Dezember 2001 in Israel verstorbene Dichter Stefan Heym wurde hier fünf Tage später bestattet. Als Abgeordneter und Alterspräsident hatte er im November 1994 in seiner Rede zur Bundestagseröffnung im Reichstag gesagt: »Die Menschen erwarten, dass wir uns als Wichtigstes mit der Herstellung akzeptabler sozial gerechter ... Verhältnisse beschäftigen ... eine Koalition der Vernunft, die eine Koalition der Vernünftigen voraussetzt«.

Spendenkonto
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BLZ: 100 205 00

Gräber einiger bekannter Persönlichkeiten:

  • Hermann Cohen, Gelehrter
  • Louis Lewandowski, Komponist
  • Lesser Ury, Maler
  • Adolf Jandorf, KaDeWe-Gründer
  • Samuel Fischer, Verleger
  • Berthold Kempinski, Gastronom

Quelle: "Jüdische Orte in Berlin", Andreas Nachama/Ulrich Eckhardt
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Adresse & Kontakt

Friedhof Weißensee

Herbert-Baum-Str. 45
13088 Berlin
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Fax: (0 30) 92 37 62 96
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