Synagoge Oranienburger Straße

egalitär

Die heutige Synagoge Oranienburger Straße besteht seit 1998 aus einem kleinen Betraum im dritten Stock des ehemaligen Vorderhauses. Gebet wird als  egalitärer Minjan innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zu dessen Grundsätzen gehört die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, ein kreativer und zeitgemäßer Umgang mit der Liturgie sowie die Bereitschaft der Synagogenmitglieder, die Gottesdienste eigenverantwortlich mitzugestalten und weiterzuentwickeln. Neben den regulären Gottesdiensten, Kidduschim und jüdischen Festen veranstalten wir regelmäßig u.a. einen "Lernenden Minjan", bei dem sich die Mitglieder selbst zur Fortführung der jüdischen Tradition befähigen, sowie Schiurim (Lerntreffen) zu talmudischen und gesellschaftspolitischen Themen von heute aus jüdischer Perspektive. Aus einer anfänglich kleinen Gruppe von Aktiven wurde eine erfolgreiche Synagoge. Hier amtiert Rabbinerin Gesa Ederberg.

Der folgende Text ist mit freundlicher Genehmigung des Nicolai Verlages dem Buch "Jüdische Orte in Berlin"  von Andreas Nachama und Ulrich Eckhardt entnommen:

»Tuet auf die Pforten, dass einziehe das gerechte Volk, das bewahret die Treue.« (Jesaja 26,2) 50 Jahre nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Terror, der alle jüdischen Gemeinden Europas auslöschen wollte, geschah am 7. Mai 1995 das lange Zeit Unvorstellbare: Im Mittelpunkt einer wieder wachsenden jüdischen Gemeinde Berlins wurde die Neue Synagoge als Heimstatt für das Centrum Judaicum zum zweiten Mal eingeweiht. Die 50 Meter hohe goldene Kuppel, weithin sichtbar wieder die Silhouette der Stadt prägend, ist erneut Wahrzeichen jüdischer Traditionen in Berlin. Im rekonstruierten Vorderhaus mit Rotunde, Vestibül, Repräsentantensaal, Ausstellungsräumen und Vortragssaal wird künftig jüdisches Erbe und Leben vermittelt. Das Haus steht allen offen, auch wenn es rund um die Uhr geschützt werden muss. Im Keller des rechten Turms ist wieder ein rituelles Bad (Mikwe) eingerichtet worden.

Die Neue Synagoge wurde nach Entwürfen von Eduard Knoblauch und Friedrich August Stüler im maurischen Stil von 1859 bis 1866 gebaut und am 5. September 1866 eingeweiht. Mit über 3000 Sitzplätzen war sie das größte jüdische Gotteshaus in Berlin und ganz Deutschland und galt zudem als das prächtigste. Dank des Eingreifens von Revier- Oberleutnant Wilhelm Krützfeld (1880-1953), dem Vorsteher des Polizeiabschnitts 16, blieben die Schäden in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verhältnismäßig gering, so dass von April 1939 bis zum 30. März 1940 wieder Gottesdienste stattfinden konnten.  Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an die Zivilcourage eines Polizeiwachtmeisters, der unter Hinweis auf den Denkmalschutz die SA an weiterer Brandschatzung hinderte und der Feuerwehr Zugang zur brennenden Synagoge verschaffte. Heinz Knobloch hat die Geschichte vom Mut eines Einzelnen in seinem Buch Der beherzte Reviervorsteher aufgezeichnet. Wilhelm Krützfeld erhielt 1992 ein Ehrengrab auf dem Friedhof der Parochialgemeinde in Weißensee.  Ab 1940 wurde das Gotteshaus von der Wehrmacht als Lagerhaus missbraucht. Ausgebrannt nach einem Bombenangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943, wurde die Hauptsynagoge im Jahre 1958 gesprengt. Ab 1988 wurde mit dem Wiederaufbau des zur Straße gelegenen Teils des Gebäudes begonnen. Zum 125. Jahrestag der Ersteinweihung, am 5. September 1991, war die Straßenfassade als eindrucksvoller Torso rekonstruiert, und über dem Portal war erneut der eingangs zitierte Spruch des  Propheten Jesaja zu lesen. Der Vorderbau wurde am 7. Mai 1995 als Centrum Judaicum wieder eingeweiht. Im Hof wurde der Grundriss der nicht wiederhergestellten eigentlichen Synagoge als Bodenskulpturn gestaltet. Ein Halbkreis aus schwarzen Granitsteinen markiert die einstige Apsis um den Thoraschrein als eindrucksvolles Mahnmal. Die Architektur ist stolzer Ausdruck des Selbstbewusstseins Berliner Juden, die hier nicht nur einen religiösen, sondern auch einen kulturellen und geistigen Mittelpunkt fanden. Albert Einstein beispielsweise spielte in einem Konzert am 29. Januar 1930 als Violinsolist. Im Unterschied zur ersten, der Alten Synagoge in der Heidereutergasse, wurde der Gottesdienst in der Neuen Synagoge nach liberalem Ritus abgehalten, unter Verwendung einer Orgel und eines gemischten Chores. Die Reform des Ritus war Teil des Integrationsprozesses. Jüdische Traditionen sollten der Umgebungsgesellschaft und den veränderten Lebensumständen der Juden angepasst werden. Hier amtierte bis 1938 Melwin Warschauer (1871-1955), einer der bekanntesten Rabbiner. Er war berühmt für seine eindringlichen Reden; legendär ist seine Trauerrede auf Max Liebermann, die er, beobachtet von der Gestapo, auf dem Friedhof Schönhauser Allee hielt. Er flüchtete 1939 nach London, wo er später seine Erinnerungen verfaßte. Unter dem Titel Im jüdischen Leben erschienen sie 1995, versehen mit einem Vorwort von Heinz Knobloch, in Berlin. Der bekannteste Komponist jüdischer Synagogalmusik Louis (Lazarus) Lewandowski (1823-1894) wirkte hier ab 1866. Er war der erste jüdische Meisterschüler, den die Preußische Akademie der Künste aufnahm, später wurde er zum Professor ernannt. Rund um die Neue Synagoge waren mehr als 100 jüdische Institutionen der Wohlfahrtspflege, der Bildung und Wissenschaft angesiedelt. Mit der durch Ausstellungen, Buchpublikationen und Veranstaltungen sehr erfolgeichen “Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum“, der Jüdischen Galerie und der Jüdischen Volkshochschule ist hier erneut ein Mittelpunkt jüdischen Lebens entstanden. 

Gabbaim der Synagoge Oranienburger Straße:

Prof. Dr. Gerhard Baader
Kontakt

  • Er ist Gabbai in der Synagoge Oranienburgerstraße, aber auch Vorstandsmitglied der Child Survivors  Deutschland e.V.
  • Als Professor ist er tätig in der Humboldt-Universität, Hauptforschungsgebiete: Medizin im Nationalsozialismus,  Juden und Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Medizinethik und als Visiting Professor an der Hebrew University of Jerusalem Hadassah Medical School

Aharon Risto Tähtinen
Kontakt 

Miriam Rosengarten

Aktuelles zu den Synagogen finden Sie hier.

Den Turnus der Gottesdienstzeiten finden Sie hier.

Führungen in der Synagoge sind nach vorheriger Anmeldung eingeschränkt möglich. Die Anfragen richten Sie bitte an die Kultusabtelung: kultus@jg-berlin.org

Spenden

Spenden für die Synagoge Oranienburger Straße können unter Angabe des Verwendungszwecks auf folgendes Konto überwiesen werden:

Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Synagoge Oranienburger Straße
Konto  6000031180
BLZ  100 500 00
Berliner Sparkasse

IBAN: DE27100500006000031180
BIC: BELADEBE

Adresse & Kontakt

Synagoge Oranienburger Straße

Oranienburger Str. 28-31
10117 Berlin
zur Webseite

Öffnungszeiten

Kabbalat Schabbat

Winter 18:00

Sommer 19:00

Schabbat Schacharit

ganzjährig 10:00

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