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Mit 80.000 Büchern Judaica, Belletristik und Sachbücher - verfügt die Gemeindebibliothek über das weitreichendste jüdische Sortiment in der Bundesrepublik und genießt ein internationales Renommé. Sie ist eine für jeden zugängliche, öffentliche Bibliothek, mit ausgeprägt wissenschaftlichem Charakter. Zugleich hat sie die Funktion einer Archivbibliothek für die durch die NS-Herrschaft weitestgehend vernichteten Schätze deutschsprachiger Literatur aus der Zeit vor 1945. Neben Büchern und Zeitschriften enthalten die Bibliotheksbestände auch CDs, Mikrokassetten, Videos und Mikroformen.
> Gemeindehaus Fasanenstraße 79/80
10623 Berlin
Fon. 880 28-277/236/235
Fax 880 28-244
MoDo 1120 Uhr, Fr 1115 Uhr
> Filiale Oranienburger Straße 2830
10117 Berlin
Mo 1112 Uhr + 1318 Uhr
Geschichte der Bibliothek
1894 gründeten russisch-jüdische Studenten zusammen mit einigen Zionisten und anderen einen Verein jüdische Lesehalle und Bibliothek. Das war noch eine ganze Weile, bevor die Repräsentantenversammlung den Aufbau einer Gemeindebibliothek beschloss. Die Privatinitiative musste zunächst mit einer Wohnung Vorlieb nehmen, bevor ihr 1897 Räumlichkeiten in der Oranienburger Straße 28 zur Verfügung gestellt wurden. Zunächst war sie im Seitenflügel untergebracht. Da die Buchbestände jedoch rasch anwuchsen, erwies sich der dortige Platz als unzureichend, so dass der Verein 1903 ins Vorderhaus umzog.
Unabhängig von diesen privaten Aktivitäten beschloss auch die Repräsentantenversammlung am 5.März 1899 den Aufbau einer Gemeindebibliothek. Bereits ein Jahr zuvor hatte Rabbiner Weise einen entsprechenden Vorschlag eingebracht. Am 3.Februar 1902 war es dann soweit. Nach den notwendigen, vorbereitenden Arbeiten wurde die Gemeindebibliothek in angemieteten Räumen in der Oranienburger Straße 6063 eröffnet.
Der erste Bibliothekar war Jacob Fromer, ein namhafter Orientalist und Schriftsteller, der unter anderem eine Anthologie talmudischer Texte herausgegeben hatte. Er blieb jedoch nur vier Jahre in dieser Einrichtung, da es unüberbrückbare Differenzen mit der Gemeindeleitung gab.
1907 war in den Mitteilungen der Gemeinde über die Verwaltung der jüdischen Gemeinde zu Berlin zu lesen, dass das Haus Oranienburger Straße 28 gekauft worden sei und dass die Bibliothek nach erfolgtem Umbau dorthin übersiedele. Ab 1910 befanden sich nunmehr die Bibliothek und das Gesamtarchiv der deutschen Juden in zweckentsprechenden Räumen. Inzwischen hatte Dr. Moritz Stern die Leitung der Bibliothek übernommen. 1917 wurde ihr die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde angegliedert, aus der später das Jüdische Museum (1933) hervorging. Stern entwickelte die Bibliothek aus ihren bescheidenen Anfängen zu einer rund 70.000 Bände umfassenden Einrichtung und stand ihr fast drei Jahrzehnte vor. Selbst hatte er eine rabbinische Ausbildung und blickte auf ein umfängliches wissenschaftliches Werk zurück.
Die eingangs erwähnte Jüdische Lesehalle und Bibliothek war noch vor der Eröffnung der Gemeindebibliothek aus dem Gebäude in ihr letztes Domizil in die Oranienburger Straße 58 umgezogen. Dort wuchsen ihre Bestände auf über 11.000 Bände und Periodica an, die ab 1920 den Grundstock für eine Filialbibliothek der Gemeinde in der Fasanenstraße 79/80 bildeten. Dieser Filialbibliothek wurden weitere hinzugefügt. Der Wegweiser durch die Jüdische Gemeinde zu Berlin von 1937 weist nach, dass inzwischen auch in Neukölln, Friedenau, Schöneberg, in der Frankfurter Allee (Osten), in Schmargendorf, Pankow und Tempelhof Zweigbibliotheken entstanden waren.
Dieses weit verzweigtes jüdische Bibliotheksnetz nahm in der Pogromnacht am 9. und 10. November 1938 ein jähes Ende. Jacob Jacobsohn, langjähriger Leiter des Gesamtarchivs der deutschen Juden notierte in seinen unveröffentlichten Memoiren
dass das Reichssippenamt seine auf Juden bezügliche Abteilung in das Gebäude Oranienburger Straße 28 verlegte und immer mehr Raum für sich beanspruchte, besonders, nachdem die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde im Sommer 1939 beschlagnahmt und abgeholt worden war, so dass deren Räumlichkeiten mit ihren Regalen der Abteilung des Reichssippenamtes zur Verfügung standen.
Einige wenige Bücher aus dem Bestand der ehemaligen Gemeindebibliothek sind auf verschiedenen Wegen später zurückgekehrt an ihren Ursprungsort. Erste Versuche der wiederbegründeten Gemeinde, nach der Befreiung eine Bibliothek zu etablieren, reichen zurück in das Jahr 1952. Aber erst mit dem Bau des Gemeindehauses in der Fasanenstraße konnte dort 1959 auch eine Bibliothek eröffnet werden. Sie besteht bis heute und ist über die Jahrzehnte kontinuierlich ausgebaut worden. Lange Jahre betreute sie Jürgen Landeck, bevor Arkady Fried seine Stelle einnahm. Dort befinden sich heute rund 80.000 Bücher. Sie ist die größte Bibliothek in der Bundesrepublik, die von einer jüdischen Gemeinde getragen wird und genießt ein weltweites Renommé.
Aber auch in der Ostberliner Jüdischen Gemeinde wurde eine Bibliothek eröffnet. Nach dreijähriger ehrenamtlicher Vorbereitungszeit durch Renate Kirchner konnte am 16. November 1977 eine Gemeindebibliothek am historischen Ort eröffnet werden. Da die Verlagsproduktion der DDR zwar eine Vielzahl belletristischer Titel aufwies, jedoch kaum Sachliteratur zu jüdischen Themen, musste nach anderen Möglichkeiten gesucht werden. Eine entscheidende Voraussetzung für den kontinuierlichen Auf- und Ausbau des Bestandes war deshalb die in Abstimmung mit dem Staatssekretär für Kirchenfragen 1979 erfolgte Erteilung einer Sondergenehmigung zur Einfuhr von Literatur aus dem kapitalistischen Ausland. Auf dieser Grundlage erreichten die Bibliothek ohne Einschränkung Buchgeschenke von jüdischen und nichtjüdischen Institutionen und Einzelpersonen. Die Literaturhandlung Salamander war während dieser Jahre zudem ein wichtiger Partner, über den auch gezielte Bestellungen liefen.
Obwohl zunächst mit nur 2.119 Bänden noch eine sehr kleine Bibliothek wurde sie bereits 1978 Mitglied des Bibliotheksverbandes der DDR. 1979 gründete sie einen Bibliotheksbeirat, dem unter anderem der Schriftsteller Heinz Knobloch angehörte. Sie hatte außerdem intensive Beziehungen zur Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände bei der Deutschen Staatsbibliothek. Mit der Schaffung der Stiftung Neue Synagoge Berlin Centrum Judaicum am 5. Juli 1988 und dem dann entwickelten Konzept für den Wiederaufbau des Gebäudekomplexes Oranienburger Straße 28-30 wurde auch die Rekonstruktion der einstigen historischen Bibliotheks- und Magazinräume beschlossen.
Die Vereinigung der beiden Berliner Jüdischen Gemeinden ab Januar 1991 veränderte jedoch den Status der Bibliothek. Sie wurde nunmehr als Zweigstelle in die neue Gemeindebibliothek in der Fasanenstraße integriert. Im November des gleichen Jahres erfolgte der Rückzug in das inzwischen konstruierte Haus. Unsicherheiten über die künftige Nutzung verzögerten zunächst die geplante Möblierung, die dann aber im Dezember 1993 doch realisiert wurde.
Obwohl eine, insbesondere seit der Eröffnung des Centrum Judaicum (Mai 1995) notwendige neue Konzeption für die beiden Bibliotheksstandorte in der Folgezeit nicht zustande kam, wurde mit der Einrichtung einer Mediothek (April 1996) zumindest der Beginn einer längst überfälligen Profilierung angestrebt. Mit der am historischen Standort und im Bewusstsein ihrer Geschichte wiedergeschaffenen Bibliothek wurden günstige Bedingungen für die Nutzung der Bestände (inszwischen ca. 10.000 Bücher) und wissenschaftliches Arbeiten geschaffen. Das unterstützen vor allem der Lesesaal mit seinen zwölf Arbeitsplätzen und das in drei Ebenen vorhandene Magazin sowie der Umstand, dass das Archiv und die Bibliothek wie vor ihrer gewaltsamen Auflösung wieder unter einem Dach vereint sind.
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